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XXL - Extended Peep-Show
XXL - Extended Peep-Show
XXL - Extended Peep-Show
XXL - Extended Peep-Show
XXL - Extended Peep-Show

XXL Extended Peep Show



Künstlerische Leitung: Elena Turchi
Regie: Alessandro Fantechi
Box Project Designer: Andrea Pagnes
Performerinnen: Laura Bucciarelli - Brenda P.
Produktion: Isole Comprese Teatro



In der Peep-Show, als Zwischenraum, ist niemand Zuhause.

Die Peep-Show, als ein Ort an dem man sich eine begrenzte Zeit aufhält – Theater für einen Zuschauer – ist ein Instrument zur Selbsterkenntnis. Die Peep-Show, als Striptease- und Lapdancevorstellung bekannt, hat eine lange Geschichte. Sie entsteht aus dem Figurentheater der Stadtstraßen des 16. Jahrhunderts um sich zur Kuriositätenschau der Moderne, zum Wunderbaren und Scheußlichen der bärtigen Frau und des Zwerges weiterzuentwickeln. Sie erreicht uns als “Zurschaustellung dessen was man nicht sehen darf”, als pornographischer Körper. Die Peep-Show ist ein geschlossener Raum (eine Kabine, eine Scheibe), innerhalb dessen der kommunikative Austausch eindeutig ist (Die Performerinnen können in ihrem erotischen Akt oftmals den Zuschauer nicht einmal sehen) und das voyeuristische Spiel auf kürzeste Zeit reduziert.

Das englische Stammwort (to peep bedeutet heimlich betrachten) betont tatsächlich eine Machtstellung (die Handlung etwas zu beobachten, das verborgen ist und das normalerweise nicht betrachtet werden kann.), die sich in ihr exaktes Gegenteil verwandelt: der Zuschauer betrachtet nichts heimlich, da sich die Darstellerin zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort befindet um explizit die Wünsche dessen der zuschaut zu befriedigen. Außer dieser trügerischen Verwechslung zeigt die Peep-Show (in ihrer Bedeutung als Vorstellung) eine wesentliche Charakteristik des geschlossenen Raumes: geheimer und intimer Raum zu werden. Der geschlossene Raum gerät demnach in Verwirrung: der Ort der Internierung wird zum privaten Raum.

Wenn die Peep-Show die Synthese des Spiegelverhältnisses zwischen Voyeurismus und Exhibitionismus ist, so spielen in “Extended Peep-Show” die drei abnormen Körper, die sich dem Zuschauer zur Verfügung stellen mit der (realen? scheinbaren?) Krankhaftigkeit ihrer Darbietung, um ihre Wahrheit, die die Wahrheit des Zuschauers ist zu berühren -und begreifbar zu machen. Der Kunde einer Peep-Show übt eine Macht aus, indem er dafür bezahlt das zu sehen, was er wünscht. Wo hört in diesem Fall die Macht dessen, der zuschaut auf? Wer schaut in diesem Fall zu? Ist die Performerin dazu da, die Bedürfnisse dessen ,der zusieht, zu befriedigen? Nein und nicht nur, da sich die Performerin durch ihre gestaltende Natur nicht all dieser menschlichen Qualitäten entziehen kann, die ihr gehören und die sie ausmachen.

Dieselben menschlichen Qualitäten, die ihr erlauben sich auszudrücken, zu kommunizieren. Dieselben Qualitäten, die ihr ermöglichen sich anzubieten um sich als Künstler ins Spiel zu bringen, als Bedeutungsträger (ex-fero), beziehungsweise als mögliches Mittel zur Erkenntnis. Wenn der Peep-Shower nichts anderes tut als seinen eigenen kommerzialisierten Körper zu zeigen und damit beim Zuschauer (wenn auch nur teilweise) die Ausdehnung und Befriedigung dieser niedrigsten und geheimsten Regungen fördert, die dem Voyeurismus und der Krankhaftigkeit eigen sind, so macht die Performerin noch etwas ganz anderes: sie ist Trägerin einer Wahrheit und benutzt den Kunstgriff um diese zu erreichen. In der unmittelbaren und dichotomischen Beziehung, die sich zwischen Performerin und beobachtendem Zuschauer einstellt, kann es dem einen gelingen die Impulse und Erwartungen des anderen sich zu eigen zu machen und somit einen diametral entgegengesetzten Effekt zu erzielen: eine umgekehrte Situation. Eine Kabine. Eine Scheibe. Ein Sessel für einen Zuschauer. Drei Performance. 5 Minuten. Drei Frauen. Zur Auswahl. Vom Raum verschluckt. Von der Vagina. Vom Tod. Scheinbar. In Wirklichkeit.

Raum-zeitliche Verzerrung. Verzerrung der Sicht. Körperliche Verzerrung. Abweichung. Einschränkung der Kommunikation. Einschränkung der Bewegungen. Einschränkung der Möglichkeit. Kranheit. Lust. Extase. Verzweiflung. Wahnsinn. Eingeschlossensein. Unendlichkeit. Ort des Unausgesprochenen. Ort in dem die Form undefinierbar bleibt. Ort der Reinheit. Ort der Aufhebung. Begrenzter Raum. Begrenzte Zeit. Intime Beziehung. Ort der Intimität und der Phantasie. Physischer und unwirklicher Ort . Eine Ahnung von Gefahr. Wer eintritt muss das Gefühl haben nicht mehr zurück zu können, in eine Welt einzutreten, in der er riskiert verschlungen zu werden. Vielleicht ist die Vorstellung der Körper nicht so wichtig wie die der Seele. In der Tat ist für die Darstellerin die Vorstellung und der Gebrauch des eigenen Körpers nichts anderes als ein Mittel. Vielleicht ist es das Mittel um mit Gewissheit, wenn auch nicht den Gebrauch, so doch immerhin die Vorstellung der eigenen Seele zu erreichen. Es macht sich ebenso das was man sieht bemerkbar als auch das was geschieht. Das was sich ereignet muss etwas mit der Intimität zu tun haben. Begrenzter Raum. Begrenzte Zeit. Intime Beziehung. Ort der Intimität und der Phantasie. Physischer und unwirklicher Ort . Eine Ahnung von Gefahr.

Der Zuschauer tritt ein.

Ich trete ein. Ich bin im Begriff zu sterben. Ich sehe den, der ein sterbendes Wesen sieht. Man versteht den Tod, wenn man das Leben als einen langen Todeskampf begreift, indem Leben und Tod sich überschneiden. Der Tod ist nichts äußeres, ontologisch vom Leben verschiedenes: Der Tod, als unabhängige Realität, existiert nicht.
“Jeder trägt in sich nicht nur das eigene Leben, sondern auch den eigenen Tod.” (E. Cioran)

Die Darstellerin tritt ein.

Ich trete ein. Ich bin im Begriff zu sterben. Ich sorge dafür, dass geschieht was geschieht. Sex und Tod teilen sich denselben Raum: je intimer, desto universeller. Schwarzes Loch. Ich habe Angst. “Schau ihn an, diesen Körper: er gehört dir. Ich habe kein Auge, das abwägt und abschätzt, und um wirklich gut zu sehen brauche ich das Schlüsselloch.” (Patrizia Valduga) Ich vermische mich. In der Intimität. Um mich zu unterscheiden. Um gut sehen zu können ist eine Verletzung nötig. Der Zuschauer tritt ein. Er ist im Begriff zu sterben. Er erlebt einen letzten Moment, das letzte Bild. Das letzte Wort. Er tritt ein, dringt ein, verletzt einen letzten Ort. Die Darstellerin tritt ein. Sie ist im Begriff zu sterben. Verletzt schickt sie sich an zu verletzen. Wie du in mich eindringst, dringe ich in dich ein.

Technische Hinweise

1. Jeweils ein Zuschauer pro Performance, die jeweils circa 5 Minuten dauern. Maximale Dauer der gesamten Performance: drei Stunden. Vorraussichtliche Anzahl der Zuschauer: fünfzehn Zuschauer pro Stunde. Drei Schauspielerinnen.

2. Mittels einer Gegensprechanlage oder eines Telefons fordert der Zuschauer eine Schauspielerin auf sich in einem von einer Plexiglasscheibe abgeschlossenen Raum zu präsentieren. Diese Scheibe trennt den Performer vom Zuschauer, der in einem Sessel sitzt. Es folgt eine 5-minütige Performance nach der der Zuschauer die Kabine verlässt um seinen Platz einem anderen zu überlassen.

3. Gloryhole theatre für die wartenden Personen – ohne Reservierung. Das Gloryhole besteht aus einem Loch in der Rückwand der Box, durch das man sehen kann, was im Inneren geschieht.

Technischer Rahmen: Debüt

Contemporanea Festival Juni 2007
Aufbau: 10 Stunden.
Geschlossener Raum, der 3X3x3m fassen kann.
Mindestmaße des Bühnenraums 6 x 8m Höhe 4m.
Stromzugriff 380Kwh Drehstrom 8 kwh –Steckdosen 380 Die Box ist autonom Garderobe oder Warteräume für die Schauspielerinnen - Duschen. Maximale ununterbrochene Dauer der Show 3 Stunden.

Benötigte Personen:
1 Schauspielerinnen
1 Techniker
1 Fahrer
1 Regisseur
1 doorman selection Türsteher
Auswahl – einer, der die Leute rein und rauslässt?! Insgesamt: 7 Personen Associazione Teatro 334 - IsoleComprese Teatro - Via dell'Orto 17 - 50124 Firenze - Tel. e Fax. ++39 055 223622 -
Cell. 338 8403546 - Alessandro Fantechi
333 4123901 - Elena Turchi
info@isolecompreseteatro.it - www.isolecompreseteatro.it - www.scuolateatrosociale.it - Pressebüro Isole Comprese Teatro